"In schwierigen Zeiten SPD Treue gehalten"
Zu Beginn der gut besuchten Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Gießen-Rödgen
begrüßte der Vorsitzende Jürgen Becker besonders herzlich den Landtagsabgeordneten
und UB-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel. Dieser nahm zunächst die Ehrungen vor.

So wurde Otto Reis für 50 Jahre Mitgliedschaft, Werner Döring und Werner Menz für 40
Jahre und Hugo Walldorf für 25 Jahre Mitgliedschaft in der SPD, jeweils mit Urkunde, Plakette und
Anstecknadel, sowie einem kleinen Präsent geehrt. Der UB-Vorsitzende dankte allen
Geehrten, dass sie auch in schwierigen Zeiten der SPD die Treue gehalten hatten.
Besonders hob er den jahrzehntelangen, kommunalpolitischen Einsatz von Werner Döring
seit 1977 bis heute in verschiedenen Gremien des Kreises, der Stadt Lollar, des
Ortsbeirates Rödgen und im Ortsvereinsvorstand der SPD in Rödgen hervor.
vlnr: J.Becker, O.Reiss, W.Döring, W.Menz, H.Walldorf, Th.Schäfer-Gümbel
Schriftführerin Hannelore Kraushaar-Hoffmann erinnerte in ihrem Bericht an viele Veranstaltungen,
die der Ortsverein im abgelaufenen Jahr durchgeführt hat. Neben dem Ostereiersuchen und der
Frühlingswanderung hob sie besonders das 30jährige Jubiläum des Kinder- und Familienfestes im
Juli hervor, bei dessen Organisation der Vorstand weder Kosten noch Mühe gescheut hatte, um Kindern,
Eltern und Großeltern einen abwechslungsreichen Nachmittag zu bereiten.
Die Fahrt zum Weihnachtsmarkt
nach Rotenburg an der Fulda und auch der traditionelle Grenzgang in der Rödgener Gemarkung zum
Jahreswechsel sind schon zu einer liebgewordenen Tradition geworden und finden immer mehr Anklang in
der Bevölkerung. Vorletzten Samstag waren SPD und die örtliche Natur- und Vogelschutzgruppe wieder
mit zahlreichen Bürgern und vielen Kindern in der Gemarkung erfolgreich unterwegs - aber diesmal,
um die Landschaft von weggeworfenem Müll zu befreien.
Der Vorsitzende Jürgen Becker ergänzte den Bericht schwerpunktmäßig, indem er auch auf die positive
Mitgliederentwicklung, die Öffentlichkeitsarbeit allgemein und besonders auf die Home-
page des
Ortsvereins über www.spd-roedgen.de, sowie die Gestaltung des Flyers "Rödgen aktuell" einging.
Er dankte dem Vorstand und allen Helferinnen und Helfern für die in 2004 geleistete, erfolgreiche Arbeit.
Im Ortsbeirat sei die SPD weiterhin treibende Kraft und mit den weitaus meisten Anträgen, auch inhaltlich,
sehr aktiv. Er beklagte die schleppende Bearbeitung der Anfragen und Anträge aus dem Ortsbeirat durch den
Magistrat und verwies in diesem Zusammenhang hierzu auf die örtliche Initiative und den Pressebericht aller
SPD-Fraktionen in den Ortsbeiräten vom Februar d. J. Inzwischen habe zu dieser unbefriedigenden Situation
ein Gespräch aller Ortsvorsteher
mit OB Haumann stattgefunden.
Anschließend erstattete Egon Fritz als Magistratsmitglied Bericht. Scharf kritisierte er die Eile, mit der
der Giessener Magistrat und die Stadtparlamentsmehrheit, die Auftragsvergabe für den Neubau des Rathauses
an das drittplazierte Architekturbüro durchgepaukt haben.
Er hob noch einmal hervor, dass die SPD nicht
grundsätzlich gegen ein neues Rathaus sei, wohl aber gegen die Pläne der Koalition in der Stadt, die im
Rathaus auch Räumlichkeiten unterbringen wolle (wie Stadtbibliothek, Kunsthalle, kleiner Konzertsaal),
die in der Kongresshalle bereits vorhanden seien und die den Rathausneubau um 25 Mio. Euro verteuerten.
Dieter Geißler ergänzte diesen Bericht aus dem Stadtparlament. Er bemängelte, dass die SPD-Fraktion bei
der Vorbereitung der Architektenausschreibung nicht beteiligt worden und die Gegenfinanzierung
für die enorme Belastung von Zinsen und Tilgung völlig ungeklärt sei. Während der frühere OB Mutz es
geschafft habe, die von der CDU-geführten Vorgänger-
regierung übernommenen Schulden erheblich abzubauen,
treibe die jetzige Koalition mit der Neuverschuldung von 50 Mio. Euro, allein für den Rathausneubau, die
Verbindlichkeiten der Stadt in solche Höhen, dass in den kommenden Jahren kaum noch Spielraum für sinnvolle
freiwillige, soziale Leistungen bleiben würden.
Werner Döring befasste sich in seinem Bericht aus dem Kreistag ebenfalls mit finanziellen Fragen. Die Einnahmen
des Kreises brechen weg, die Ausgaben vor allem im Sozial- und Jugendhilfesektor seien enorm gestiegen. Auch
investiere der Kreis jährlich enorme Summen in die Renovierung der Schulen. Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen
Voraussetzungen sei es dem Landrat Willi Marx dennoch gelungen, Schulden abzubauen.
Da Ortsvereinskassierer Kurt Seipp aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, gab Jürgen Becker den Kassenbericht.
In 2004 waren durch Veranstaltungen und Investitionen in die Öffentlichkeitsarbeit erhebliche Mehrausgaben zu
verzeichnen. Auch im laufenden Jahr stehen größere Ausgaben an. Insgesamt sei der Kassenbestand jedoch - im
Verhältnis zur Mitglieder-
zahl - stabil, so abschließend der Vorsitzende.
Heinz Bolland und Walter Klos hatten die Kasse geprüft, eine einwandfreie Kassenführung festgestellt und den
Antrag auf Entlastung des Vorstandes gestellt, dem auch einstimmig entsprochen wurde.
Thorsten Schäfer-Gümbel berichtete als UB-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter. Mit scharfen Worten kritisierte
er das Vorgehen der CDU bei der beabsichtigten Fusionierung der Unikliniken Gießen und Marburg. Sie benutze alle
Tricks, um möglichst schon zum 1.07.206
die Privatisierung der Unikliniken durchzupauken und das Klinikum durch
Direktvergabe und ohne Ausschreibung zu verkaufen.
Das Land übersehe allerdings, dass bei einem solchen
Vorgehen, gezahlte Bundeszuschüsse
in Millionenhöhe zurückerstattet werden müssen. Zu befürchten sei, dass bis zu
30 % des Personals abgebaut würden. Obwohl es bis zum Jahre 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle,
werde der Personalabbau trotzdem erfolgen, allein schon aufgrund der Tatsache, dass bis zu 16 % des Personals in
den kommenden fünf Jahren aus persönlichen Gründen kündigen oder altersbedingt ausscheiden. Thorsten Schäfer-Gümbel
sieht dadurch die bisherige, qualitativ gute, Patientenversorgung gefährdet.
Schäfer-Gümbel forderte eine gemeinsame Anstrengung zur Stadt- und Regionalentwicklung ein. Angesichts der großen
Herausforderungen wie dem Demographischen Wandel und dem Abzug der Militärs (Bundeswehr und US-Streitkräfte) aus
Gießen müsste viel Geld und Initiative erfolgen.
Außerdem berichtete TSG über die neue Mitgliederwerbekampagne. Ziel der SPD ist es, inner-
halb von einem Jahr 350
neue Mitglieder im Unterbezirk Gießen aufzunehmen.
Schließlich wählte die Jahreshauptversammlung des Ortsvereins die Delegierten für den Unterbezirksparteitag:
Jürgen Becker, Egon Fritz und Hannelore Kraushaar-Hoffmann werden den Ortsverein Rödgen dort als ordentliche
Delegierte, Werner Döring, Dieter Geißler, Ingrid und Wolfgang Hannak als Ersatzdelegierte vertreten.
In seinem Ausblick ging Jürgen Becker auf die in diesem Jahr geplanten Veranstaltungen ein.
Besonders hervorzuheben sind hier zwei Aktivitäten. Anlässlich der 60jährigen Wiederkehr des Kriegsendes sucht
die SPD Zeitzeugen, die bereit sind, aus ihren Erinnerungen und Erlebnissen im damaligen Rödgen zu berichten.
Und am 30. Juli d. J. jährt sich ein Treffen von Genossen aus Alten-Buseck, Trohe, Wieseck
und Rödgen, das
vor genau 100 Jahren im "Deutschen Haus" in Rödgen stattgefunden hat. Ab Herbst werde sich der Vorstand schwerpunktmäßig
auf die Vorbereitungen zur Kommunalwahl am 26.03.2006 konzentrieren und frühzeitig die Kandidatenlisten für
Ortsbeirat, Stadtverord-
netenversammlung und Kreistag erstellen.
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